Das KRZN - ein Dinosaurier aus vergangenen Zeiten?

Anfang der 70er Jahre kosteten Computer Millionen und wurden zentral in Rechenzentren aufgestellt. Um möglichst viele Nutzer an die Computer anzuschließen, wurden Multiuserbetriebssysteme entwickelt und die Nutzer per Terminal aus der Ferne mit den Computern verbunden. Die Daten kamen anfangs per Lochkarten. In dieser Zeit gab es kaum Anwendungsprogramme und so mußte sich jeder seine Anwendungen selbst programmieren. Das war natürlich sehr aufwendig und je mehr Nutzer diese Programme übernahmen und mitbezahlten umso mehr Geld ließ sich einsparen.
Inzwischen haben wir seit fast 30 Jahren personal computer, die so preiswert sind, daß sich jeder Nutzer einen eigenen Rechner an seinem Arbeitsplatz leisten kann, auch wenn dieses Gerät dann 99,99% der Zeit nur damit beschäftigt ist auf die nächste Eingabe zu warten.Ddie Leistungsfähigkeit dieser kleinen Computer übersteigt heute die der damaligen Großrechner um das Millionenfache und der Abstand zu den Großrechnern wird immer geringer und somit gibt es immer weniger Anwendungen für die sich teure Großrechner lohnen.
Standardanwendungen werden heutzutage für Millionen Nutzer entwickelt und für spezielle Anwendungsgebiete adaptiert. Entsprechend preiswert sind diese Programme, obwohl sie viele Mannjahre Entwicklung gekostet haben.
Wozu dieser Ausflug in die EDV-Geschichte? Nun, um zu zeigen, daß das KRZN heute noch in vielen Bereichen so arbeitet wie vor 35 Jahren in der Lochkartenära! Es werden immer noch viele Funktionen auf Großrechner fokussiert. Demzufolge werden viele Anwendungen immer noch selbst programmiert, das wiederum ist natürlich bei nur 42 Lizenznehmern sehr, sehr teuer, fehleranfällig und die Ergonomie hat ebenfalls den herben Charme der 70er Jahre. Kein Wunder, daß die Nutzer diese Kosten nicht zahlen wollten und das KRZN mit dem Segen der Eigentümer Millionen Schulden 'angespart' hat.
Jahrelang hat das KRZN seine Nutzer mit altertümlicher Textverarbeitung im Schreibmaschinenlayout genervt, als schon längst graphische Oberflächen mit WYSIWG-Programmen auf den PCs genutzt wurden. Dem Internet hat sich das KRZN ebenfalls etliche Jahre verweigert, mit dem Argument der mangelhaften Sicherheit, obwohl bereits damals die wichtigsten Sicherheitstechnologien, die heute auch vom KRZN genutzt werden, verfügbar waren. Das hat natürlich einen Entwicklungsrückstand zur Folge z.B. im Bereich Rats- und Bürgerinformationssysteme, die in vielen Kommunen für Ratsmitglieder und jeden Bürger einen einfachen Zugang zu den wichtigsten Informationen und Dienstleistungen der Gemeinden ermöglichen. Im zweiten Anlauf nach 10 Jahren ist das KRZN hier immer noch in den Kinderschuhen und muß wegen seiner Großrechnerphilosophie viel zu viel selbst programmieren, jede Kleinigkeit, die mit modernen Betriebssystemen (UNIX, Windows MAC OS, etc. ) mit wenigen Kommandos erstellt ist, kostet beim KRZN gleich mehrere Manntage und somit Tausende Euro.
Da ist der Flop mit der NKF-Software nur die Spitze des Eisbergs und konsequente Folge langjähriger Unbeweglichkeit. Alle Tricks mit denen das KRZN auch hier wieder teure schwerfällige Großrechnertechnologie durchsetzen wollte haben nur zur Folge gehabt, daß sich die Einführung der ab 2009 gesetzlich vorgeschriebenen Rechnungswesens von 2006 auf 2008 verschoben hat und auch das nicht sicher ist und kaum jemand noch davon auszugehen scheint, daß die gesetzlich vorgegebenen Termine für alle 42 KRZN Gemeinden und Kreise zu halten sein werden.
Die Kommunen haben keine direkten Verträge mit dem KRZN, sondern sind über Verträge mit dem Kreis ans KRZN gebunden. Auch diese Verträge stammen noch aus der Lochkartenära (1976) und reflektieren die damalige Situation: alles wird zentral gemacht und hard- und software darf nur übers Rechenzentrum beschafft werden. Kündigungsfrist ist 2 Jahre ab dem jeweils nächsten Jahresbeginn und die Kostenbeteiligung läuft u.U. noch deutlich länger.
Seit dem Abschluß dieser Verträge sind über 30 Jahre ins Land gegangen und die EDV-Landschaft hat sich völlig verändert. Seit Jahren schon schaffen die Rathäuser eigenverantwortlich z.B. PCs mit entsprechender Software an und verstoßen damit regelmäßig gegen diese Verträge, ohne daß es jemanden zu kümmern scheint. Es ist in der Tat zu fragen, ob diese Verträge überhaupt noch Bestand haben, da die Vertragspartner damals in keiner Weise vorgesehen konnten, wie und wohin sich die EDV in einer so langen Spanne entwickeln würde.
Daher sind auch die Krokodilstränen völlig überflüssig und unangemessen, die von einigen jetzt vergossen werden, die lautstark Solidarität und Gemeinsamkeit einfordern, nachdem jahrelang die Entwicklung verschlafen wurde und das KRZN offenbar aus den Pannen der letzten Jahre immer noch nicht viel gelernt hat. Das KRZN ist für die Kommunen da und nicht umgekehrt.
Auch heute kann ein gemeinsames Rechenzentrum durchaus sinnvolle Aufgaben übernehmen, auch wenn der Bedarf und die Vorteile längst nicht mehr so groß sind wie vor 30 Jahren - aber nur, wenn sich dieses Rechenzentrum auch den Anforderungen und dem Bedarf der Nutzer stellt und technologisch auf der Höhe der Zeit ist.
Deshalb haben wir in den letzten Jahren konsequent ein Umdenken beim KRZN gefordert, untaugliche Programme abgelehnt und hatten für Straelen schon vor den Sommerferien beantragt beim NKF eigene Wege zu gehen und setzten uns nun für neue Verträge der Kommunen mit dem Kreis ein, die den Gemeinden nutzen und sie nicht knebeln und dem KRZN deutlich machen, daß es sich bewegen muß, wenn es überleben will.
Stefan Kemmerling
Seit diesem Kommentar ist einiges geschehen, GO-Straelen hat sich zweimal mit der KRZN-Spitze getroffen zu einem Gedankenaustausch und das KRZN hat einen neuen Geschäftsführer und eine neue Ausrichtung, näheres hier ...
