Wortwahl
Am Ende des Hauptausschusses am 8.6. 2006 ist etwas Bemerkenswertes passiert: Ein CDU Fraktionsmitglied hat sich dafür eingesetzt, dass -zumindest bei schriftlichen Formulierungen- mehr auf die Wortwahl geachtet werde. Hier tut sich ein weites Betätigungsfeld auf, gerade auch in seiner eigenen Fraktion. Ich unterstütze dieses Ansinnen voll und ganz und bemühe mich auch bei mündlicher Formulierung präzise und z.B. ohne demagogische Unterstellungen, Abwerten des politischen Gegners aber auch ohne Verniedlichung den Sachverhalt zu treffen.
Wobei ich schon mal ein gewisses Faible für Ironie habe und auch den einen oder anderen Sarkasmus von mir gebe. Allerdings bin ich auch nicht vor einem Fehlgriff sicher und so war mir der Hinweis des Kollegen zu meiner Verwendung des Wortes ‚Plündern’ im letzten Antrag* durchaus eine willkommene Ausrede, mal wieder zu Grimms deutschem Wörterbuch zu greifen – in diesem Falle Band 13 – und die Bedeutung von Plündern nach zu lesen: ‚etwas gewaltsam an sich reißen’ stand dort. Nun gebe ich durchaus zu, dass die Gegenwehr der Rücklage vermutlich nicht so heftig war, dass viel Gewalt nötig war, auch wenn wir uns für sie eingesetzt haben! Aber da jedes ordentliche deutsche Wort, das etwas auf sich hält, mehr als eine Bedeutungsvariante hat, so kann man auch unter plündern mehrere Bedeutungen finden, an erste Stelle steht dort: ‚Den Plunder aus dem Haus holen’ wobei Plunder ursprünglich nicht so negativ besetzt war wie heute manchmal, sondern einfach den Hausrat meinte. ‚Plündern’ in diesem Sinne meint also: ‚den wertvollen Hausrat aus dem Haus holen’. Und dieser Sachverhalt trifft eigentlich ziemlich genau das was ich figurativ gesprochen sagen wollte mit: ‚die Rücklage plündern’!
(22.6.2006)
* Anlass war unser Antrag zum Nachtragshaushalt, in dem wir von der Plünderung der Rücklage sprachen
Stefan Kemmerling
